Überkopfwurf

Im Laufe der letzten 10 Jahre entwickelten wir eine Wurftechnik/-basis, die uns in punkto Effizienz und Leichtigkeit kaum zu übertreffen scheint! Das Geheimnis dieses Wurfes resultiert aus mehreren Komponenten richtig ausgeführter Abläufe, die wir in zwei "aktive" und zwei „passive“ Phasen eingeteilt habe, und nun im Einzelnen erläutern möchten. 

GRUNDSTELLUNG 
Voraussetzung für eine solide Wurfbasis ist ein optimaler Ablauf, sowohl beim Vor- als auch Rückwurf. Nur so kann die höchste Geschwindigkeit der Fliegenschnur erreicht werden. 

Viele konzentrieren sich beim Wurf ausschließlich auf den Schnurverlauf beim Vorwurf, und vergessen, dass der Schnurverlauf beim Rückwurf ein ebenso wichtiges Element für einen sauberen, harmonischen Wurfablauf darstellt. Die Kontrolle der Schnur, auch beim Rückwurf, ist somit sehr empfehlenswert, eine seitliche Grundstellung im Vergleich zur geraden - nach vorne gerichteten Stellung - die mit Sicherheit vorteilhaftere! 

RUTENHALTUNG
Wir bevorzugen die "Zeigefingerhaltung", da sie vom motorischen Gesichtspunkt, die natürlichste ist! Die Rute stellt dabei die Verlängerung unseres Zeigefingers dar  einer zielgenauen Präsentation unserer Fliege steht nichts mehr im Wege!

Phase 1 - Der Rückwurf

Viele Fliegenfischer führen beim Rückwurf die Rutenhand von der Ausgangsstellung zum Körper in die „Zwei Uhr Stellung“. Eine solche, aus einer Ellenbogen- und Handgelenksbewegung resultierende, sehr kurze Rutenbewegung verursacht ein extrem rasches Auf- bzw. Entladen der Fliegenrute. Somit ist eine überaus hohe Wurfsequenz notwendig, um die Schnur überhaupt sauber in der Luft halten zu können. Auch das Handgelenk wird oft zu stark und nicht zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt. Die Folge ist ein sogenannter tailing loop, ein „Überschlagen“ der Schnur im vorderen Bereich! 

Der wohl effektivere Weg besteht darin, die Rute von der Ausgangsstellung kontinuierlich nach hinten zu beschleunigen, am Körper vorbeizuziehen. und die Rute in einer ausgestreckten Armstellung zu stoppen (ohne diese nach unten zu kippen!). Der optimale Stopp sowohl beim Vor- als auch beim Rückwurf ist bei einer Rutenneigung von 65-70°! 
ZWEI WESENTLICHE PUNKTE SIND DABEI ZU BERÜCKSICHTIGEN:

1.) Die Rute wird auf Körperhöhe leicht nach innen gedreht, sodass die Rolle zum Körper zeigt. Die Wurfbahn der Fliegenschnur bleibt dadurch konstant und gerade, man verhindert eine seitlich große Schlaufe, welche die Schnurgeschwindigkeit minimieren würde.

2.) Das Handgelenk ist so steif wie möglich zu halten, zum einen, um keine Druckpunkte bzw. Wellen in Flugschnur und/oder Vorfach zu bekommen, zum anderen, um eine geradlinige Beschleunigung durchführen zu können. Der entscheidende, daraus resultierende Vorteil, liegt in der ermöglichten, längeren Bewegung die Rute aufzuladen, um somit die volle Energie dieser auszuschöpfen. Die Rute übernimmt die Hauptaufgabe des Wurfes, wir können den Wurfrhythmus verlangsamen, brauchen nur noch die Rutenführung vorgeben. Wir lassen die Rute für uns arbeiten!

Phase 2

Nun wird die Rute in einer ausgestreckten Armstellung gestoppt (ohne diese nach unten zu kippen!). Der optimale Stopp sowohl beim Vor- als auch beim Rückwurf ist bei einer Rutenneigung von 65-70°! Die Schnur rollt sich parallel übereinander ab und streckt sich nach hinten. Durch das Gewicht der gestreckten Schnur lädt sich die Rute auf. 

Phase 3 - Der Vorwurf

Der Vorwurf ist keine ziehende Bewegung, sondern eine Schubbewegung! Dieser - zum Rückwurf- konträrer, motorischer Ablauf ist Hauptgrund der meisten Wurffehler! Der dabei wohl Häufigste, den es zu vermeiden gilt, ist der Versuch, durch einen zusätzlichen Druckpunkt aus dem Handgelenk, die Fliegenschnur zu strecken. Die Folgen sind wiederum, Wellen im Vorfach bzw. der Schnur, eine „Überlastung“ dieser im vorderen Bereich, bis hin zum „tailing loop“. 

Auch beim Vorwurf ist es essentiell, die Rutenführung so zu gestalten, dass eine möglichst lange Wurfbahn erreicht wird, um optimale Schnurgeschwindigkeit und Aufladung der Rute zu erzielen. Dies geschieht, indem man von der Ausgangsstellung des Rückwurfes, den ausgestreckten Arm geradlinig in Richtung Körper zieht, danach die Schulter nach vorne schiebt, und erst dann den Arm am Körper vorbeiführt, bis die ausgestreckte Armstellung nach vorne erreicht wird. 

DABEI WESENTLICHE, ZU BEACHTENDE PUNKTE:

1.) Um die geradlinige Wurfbahn auch beim Vorwurf beibehalten zu können, ist auch hier das Handgelenk so steif wie möglich zu halten, und die Rute beim Wurfablauf auf Körperhöhe leicht nach außen zu drehen, sodass die Rolle vom Körper weg zeigt.

2.) Der gesamte Wurfablauf ist aus der Schulter zu gestalten! Es soll eine konstante - aus dem Oberkörper ausgeführte – Bewegung sein. Nur eine gleichmäßige Beschleunigung der Rute (ohne Druckpunkte) mit einer langen „Aufladungsphase“der Selben, ermöglicht ein volles Ausschöpfen Ihrer Energie und bringt Stabilität und Kontinuität bei allen Wurfdistanzen.

Phase 4

Wenn der Arm gestreckt ist beendet man die Vorwärtsbewegung durch einen „aktiven“ Stopp und die Schnur rollt sich wiederum parallel ab. Die Rute bleibt in einer Neigung von 60-80° stehen, bis die Schnur gestreckt ist. Ein zu frühes Senken der Rute verhindert oft die vollkommene Streckung der Fliegenschnur und das sanfte Aufsetzen dieser auf das Wasser.

Zusammenfassung der wichtigsten Abläufe

Lassen Sie die Rute arbeiten, werfen Sie immer, mit so wenig Kraft wie unbedingt nötig!

Halten Sie das Handgelenk so steif wie möglich!

Je exakter Sie eine gerade Wurfbahn, horizontal wie vertikal, mit Ihrer Rutenspitze einhalten, umso enger wird ihr Schlaufenbild bzw. umso höher wird ihre Schnurgeschwindigkeit!

Vermeiden Sie immer ruckartige Bewegungen, nur gleichmäßige Bewegungen laden die Rute optimal auf und führen zu einer sauber, gestreckten Schnur!

Halten Sie den Stopp vorne und hinten exakt ein, ohne die geringste Zwischenbewegung, bis die Schnur sauber gestreckt ist, und gehen Sie erst dann in die Gegenbewegung über!

Der große Vorteil dieser Wurftechnik liegt darin, dass Sie mit jedem Gerät (Ruten jeder Länge, Stärke und Aktion/den unterschiedlichsten Fliegenschnüren/mit kurzen oder langen Vorfächern) gleichermaßen auszuführen ist.

Videodemonstration Überkopfwurf